Pressearbeit
Pressemitteilungen, die nicht im Posteingang versickern

Reise-Redaktionen erhalten täglich Dutzende Pressemitteilungen. Die meisten werden nicht gelesen. Der Grund ist selten die Destination — er ist die Sprache. Wer versteht, wie eine Redaktion arbeitet, hat eine echte Chance, journalistisch aufzutauchen.
Eine Redaktion sucht Nachrichtenwert
Eine Reise-Redaktion ist kein Verteiler für Werbung. Sie sucht Geschichten, die ihre Leserinnen und Leser interessieren — und die sie glaubwürdig erzählen kann. Eine Pressemitteilung, die nur beschreibt, wie schön ein Ort ist, hat keinen Nachrichtenwert. Eine Pressemitteilung, die eine konkrete Neuigkeit enthält — eine neue Wanderroute, ein eröffnetes Museum, ein Jubiläum — hat eine Chance.
Was in der ersten Zeile stehen muss
Die erste Zeile entscheidet, ob eine Redaktion weiterliest. Sie sollte die Neuigkeit enthalten, nicht die Beschreibung. „Ort X eröffnet im Mai eine neue Höhenwanderung“ ist besser als „Ort X liegt idyllisch zwischen Bergen und Seen“. Die Beschreibung darf folgen — aber erst, nachdem die Neuigkeit klar ist.
Zitierfähige Sätze
Redaktionen suchen Sätze, die sie übernehmen können. Ein zitierfähiger Satz ist kurz, konkret und enthält eine Aussage, die sich einer Person zuordnen lässt. „Wir haben die Route so angelegt, dass sie in drei Etappen gehbar ist und trotzdem am Ende jeder Etappe eine Gastwirtschaft erreicht“, sagt Tourismusleitung Y. — das ist ein Satz, den eine Redaktion verwenden kann.
Bildmaterial, das nicht nach Stockfoto aussieht
Bilder sind oft der Grund, warum eine Pressemitteilung nicht übernommen wird. Stockfotos, die in jeder Destination stehen könnten, signalisieren einer Redaktion, dass es an eigenem Material fehlt. Wir klären Bildrechte vorab und wählen Aufnahmen aus, die den Ort erkennen lassen — nicht die Stimmung, sondern den konkreten Ort.
Der richtige Verteiler
Mehr Empfänger helfen nicht. Eine Reise-Redaktion, die nie über Gebirgsdestinationen schreibt, wird auch die beste Pressemitteilung nicht verwenden. Wir pflegen einen Verteiler, der nach Redaktionsschwerpunkt sortiert ist, und versenden nur an Adressaten, für die die Nachricht passen kann. Das kostet mehr Vorbereitung und erreicht dafür Menschen, die tatsächlich lesen.
Was man einer Redaktion besser nicht schickt
- Pressemitteilungen ohne konkreten Anlass — sie landen im Posteingang und bleiben dort.
- PDF-Dateien mit eingebetteten Bildern — Redaktionen brauchen separate, hochauflösende Bilddateien.
- Anfragen mit Lesebestätigung — sie wirken kontrollierend und schaden der Beziehung.
- Massenmails mit sichtbaren Verteileradressen — sie signalisieren, dass die Nachricht nicht individuell gedacht ist.
Eine Beziehung, kein Einwegverkehr
Pressearbeit ist keine Einwegstraße. Wer Redaktionen nur mit eigenen Anliegen anschreibt, wird irgendwann ignoriert. Wer auf Anfragen verlässlich antwortet, Bildmaterial schnell bereitstellt und auch mal eine Geschichte anbietet, die nicht nur die eigene Destination betrifft, baut eine Beziehung auf, die Jahre trägt.